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Sieben Monate ohne Lohn – wegen Krankheit!

Der rumänische Bauhelfer S.P. wandte sich wegen der ausstehenden Lohnvergütung sowie wegen der Lohnfortzahlung an die Dortmunder Beratungsstelle des Projekts „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten“ von Arbeit und Leben DGB/VHS NRW e.V. Nachdem mehrere Versuche, mit dem Arbeitgeber in Kontakt zu treten, gescheitert sind, begleitet die Beratungsstelle den Arbeitnehmer bei einer gerichtlichen Klärung.

Der rumänische Bauhelfer S.P. arbeitete in einem Bauunternehmen in Hamm seit einem Jahr, als er plötzlich erkrankte. Es handelte sich dabei um eine Erkrankung, die eine dringende Operation erforderte. Der Arbeitnehmer informierte den Vorgesetzen über die Abwesenheit und wurde eine Woche stationär behandelt. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus wurde er weiterhin krankgeschrieben und schickte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen dem Arbeitgeber stets und lückenlos per Einschreiben zu. Für den Monat Juni, in dem er zunächst gearbeitet hatte und dann erkrankt war, bekam er eine Lohnabrechnung über 752,45 EUR netto. Darauf waren die Krankentage jedoch nicht vermerkt. Selbst dieser Lohn wurde überhaupt nicht überwiesen. Der Bauhelfer wandte sich am 31.07.19 wegen der ausstehenden Lohnvergütung sowie wegen der Lohnfortzahlung an die Dortmunder Beratungsstelle des Projekts „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten“ von Arbeit und Leben DGB/VHS NRW e.V.

Die Beratungsstelle nahm Kontakt mit dem Arbeitgeber auf, der weder antwortete noch die Zahlung tätigte. Weitere Kontaktversuche der Beratungsstelle und des Arbeitnehmers blieben erfolgslos. Zudem benötigte die Krankenkasse die vom Arbeitgeber ausgefüllte Entgeltbescheinigung zur Berechnung des Krankengeldes. Auch hier wirkte der Arbeitgeber nicht mit, sodass letztendlich die Krankenkasse das Krankengeld aufgrund bestehender Lohnabrechnungen und Angaben des Bauhelfers berechnen musste. Durch die verzögerte Bearbeitung des Vorgangs erfolgte der Krankengeldbezug erst spät, sodass der Beschäftigte in finanzieller Notlage war.

Nachdem auch das zweite Schreiben mit der Erinnerung an die Zahlung und Mitwirkung vom Arbeitgeber unbeantwortet blieb, entschied sich der Arbeitnehmer, Klage gegen den Arbeitgeber einzureichen. Dabei wurde er von einer Mitarbeiterin der Beratungsstelle zum Arbeitsgericht begleitet. Herr P. wollte seine Rechte gerichtlich einfordern und wurde beim Gütetermin vorstellig. Der Arbeitgeber jedoch erschien nicht zum Gütetermin, sodass ein Versäumnisurteil verkündet wurde. Dagegen legte der Arbeitgeber Einspruch ein. Er erklärte in der Begründung, dass das Arbeitsverhältnis längst gekündigt war, da der Arbeitnehmer die Arbeitsunfähigkeit nicht glaubhaft gemacht hatte. Grund für diese Annahme war, dass der Arbeitnehmer bei einem anderen Arbeitgeber tätig gewesen sein sollte.

Dieser Unterstellung widersprach der Arbeitnehmer, der seit der Operation durchgehend arbeitsunfähig war. Er erklärte, dass er lediglich ab und zu Kleinigkeiten auf dem Flohmarkt verkaufte, um die Notlage irgendwie abzufangen, da er ja keine Lohnfortzahlung, kein Krankengeld und keine Sozialleistungen erhielt. Außerdem bekam der Arbeitnehmer bis dato keine Kündigung, wie vom Arbeitgeber behauptet.

Da der Einspruch noch fristgerecht beim Gericht eintraf, wurde dieser auch zugelassen und ein Kammertermin anberaumt, zu dem der Arbeitgeber nicht erschien. Inzwischen hatte auch sein Anwalt dem Gericht mitgeteilt, dass er die Beklagte nicht mehr vertreten werde. Es wurde erneut ein Versäumnisurteil verkündet – dagegen kann innerhalb eines Monats Berufung eingelegt werden. Der Kampf des rumänischen Bauhelfers um Gerechtigkeit ist damit noch nicht ganz ausgestanden.