Bild: Pixabay

Arbeitsausbeutung in der Baumschule

Die Düsseldorfer Beratungsstelle im Projekt „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten“ wurde am 4. Februar in einem dringenden Fall kontaktiert. Es handelt sich um einen Fall in der Landwirtschaft – bei einem Betrieb, mit dem die Beratungsstelle schon in vergangenen Jahren negative Erfahrungen gemacht hatte.

Zehn rumänische Beschäftigte einer Baumschule in Kreis Viersen meldeten im Februar 2021 mehrere teils gravierende Vorfälle an Catalina Guia, Beraterin bei „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten“.  Zu dieser Zeit waren nach ihren Angaben etwa 40 Personen im Betrieb beschäftigt, alle stammten aus Rumänien.

Die Beschäftigten berichteten, dass während der gesamten Zeit ihres Arbeitsverhältnisses ihre Pässe als „Kaution“ vom Arbeitgeber einbehalten worden waren. Außerdem seien sie gezwungen worden, ihnen unbekannte Dokumente zu unterzeichnen. Der Arbeitgeber sagte ihnen, dass es sich dabei um einen Arbeitsvertrag handelte, ein eigenes Exemplar von diesem erhielten die Beschäftigten allerdings nicht. Sie beklagten unwürdige Wohn- und Arbeitsbedingungen. Hierzu gehörten nach Angaben der Ratsuchenden ständige Verstöße gegen die Arbeitszeit (Arbeitstage von bis zu zwölf Stunden auch bei schlechtem Wetter) und Verstöße gegen das Mindestlohngesetz. Der nach Akkordarbeit ausgezahlte Lohn lag bei Berücksichtigung der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit nur bei ca. vier Euro pro Stunde. Die Beschäftigten schilderten außerdem die Anwendung von Gewalt durch ihren Arbeitgeber. Diese reichte von Androhungen und Anschreien bis zu körperlichen Übergriffen.

Als die rumänischen Beschäftigten nach ihrer Bezahlung fragten und die schlechten Arbeitsbedingungen gegenüber ihrem Arbeitgeber beklagten, setzte dieser sie kurzum buchstäblich auf die Straße. Ohne Vorankündigung verloren die Ratsuchenden zum Tagesbeginn ihre Arbeit und ihre Unterkunft und waren bei Temperaturen im Minusbereich der Witterung ausgesetzt – ohne Pässe und ohne Geld.

Nachdem sie sich hilfesuchend an „Arbeitnehmerfreizügigkeit fair gestalten“ wandten, schaltete Catalina Guia die Beratungsstelle Arbeit im Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach e.V. als zusätzliche Verstärkung vor Ort ein. Karl Sasserath und Justine Krause von der Beratungsstelle Arbeit halfen dann dabei, die geschilderten Vorfälle an die Polizei in Viersen zu melden. Währenddessen stellten die Ratsuchenden mit Unterstützung von Catalina Guia Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach. Die Beraterin leitete den Fall aufgrund der besonders gravierenden Vorwürfe auch an die Bezirksregierung in Düsseldorf weiter.

Dank der guten Kooperation der beiden Beratungsstellen und nach mehrstündigen Verhandlungen mit dem Arbeitgeber und der Polizei in Viersen erhielten die Betroffenen um 18 Uhr desselben Tages schließlich ihre Pässe und ihren Lohn entsprechend dem Mindestlohngesetz. Auf diesem Weg konnten mehrere tausend Euro an Lohnzahlungen für die Beschäftigten eingefordert werden.